Aus für die Loveparade nach Drama in Duisburg

Bei der Loveparade in Duisburg kamen bei einer Massenpanik am 24. Juli 2010 bisher 19 Menschen ums Leben, 342 Menschen wurden verletzt. Bei einer Pressekonferenz verkündete Organisator Rainer Schaller das endgültige Aus für die Loveparade: Die Technoveranstaltung soll nie wieder stattfinden.

„Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären“, sagte Organisator Rainer Schaller und zeigte Mitgefühl an den Opfern der Loveparade 2010. „Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollstänig aufzuklären“, versicherte Schaller. Aufgrund der dramatischen Vorfälle bei der Loveparade Duisburg soll es die Loveparade in Duisburg nie mehr geben, verkündete Schaller.

Erstmalig fand die seit 1989 veranstaltete Techno-Parade auf einem Gelände statt und zog mit ihren Floats nicht durch die Straßen einer Stadt. Der Zugangspunkt zum Veranstaltungsort, dem alten Güterbahnhof von Duisburg, kam aktuellen Polizeiangaben zufolge zu einem Stau. Neuesten Erkenntnissen zufolge hätten drei Menschen versucht, gegen 17 Uhr über Absperrungen zu klettern und seien dabei abgestürzt. Dadurch sei eine Massenpanik verursacht worden, durch die mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen sind und 342 Menschen verletzt wurden. Die genauen Todesursachen sind nicht bekannt, die meisten Opfer sollen an Plakatwänden erdrückt worden sein, die anderen an einem Treppenaufgang ums Leben gekommen sein. Die 19 Todesopfer waren nach Angaben des Duisburger Polizeipräsidenten Detlef von Schmeling zwischen Anfang 20 und 40 Jahre alt.

Da die Infrastruktur zu dem Zeitpunkt der tödlichen Katastrophe an ihre Grenzen gelangt ist und der massive Besucheranstrum von über 1,4 Millionen Ravern in Duisburg kaum noch zu bewältigen war, entschieden sich die Veranstalter trotz des tödlichen Unglücks die Veranstaltung weiterlaufen zu lassen, um die Veranstaltung geordnet aufzulösen und durch einen abrupten Abbruch der Party keine weitere Massenpanik bei der Loveparade Duisburg zu provozieren.

Die Staatsanwaltschaft und ein Krisenstab ermitteln zur Zeit, wie es zu diesem Drama auf der Loveparade Duisburg am 24. Juli kommen konnte. Bis dahin liegen kaum fundierte Informationen über den Ablauf und Ursachen des Dramas vor. Derzeitiger Kritikpunkt ist der Zugangspunkt zum Gelände über einen Tunnel, an dem sich die Katastrophe ereignete. Zudem sind Bedenken geäußert worden, ob der Güterbahnhof als Veranstaltungsort für die Loveparade die nötigen Kapazitäten hat, um den Besucheransturm zu bewältigen.

Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können: 0203-94000.

Kritik des Loveparade-Gründers Dr. Motte
Der Gründer der Love Parade, Dr. Motte, gibt den Veranstaltern in Duisburg die Schuld an dem Drama: „Das ist fast schon fahrlässige Tötung, was die da gemacht haben. Eine Veranstaltung so sehr einzuzäunen und Millionen Menschen durch einen Tunnel zu schicken, ist verantwortungslos und ekelhaft“, sagt der Berliner der B.Z. Profitgier vor Sicherheitsvorkehrungen, kritisiert Dr. Motte. Es sei ein Skandal, dass die Loveparade nach der Katastrophe nicht sofort abgebrochen wurde, meint der DJ. „Den Veranstaltern geht es nur noch ums Geld, Menschlichkeit bleibt da klar auf der Strecke“, zitiert die Zeitung den Loveparade-Erfinder, der sich 2006 aus dem Organisationsteam zurückgezogen hat, da er sich mit der Entwicklung der Loveparade nicht mehr identifizieren konnte.

Das Aus der Loveparade nach 21 Jahren
Die Loveparade ist die bekannteste Technoparty der Welt und wurde im Jahr 1989 von Elektro-DJ Dr. Motte als „politische Liebes-Demonstration“ in Berlin gegründet. Auf der ersten Loveparade nahmen in Berlin nur rund 150 Raver teil. Bereits 1999 waren es in Berlin über 1,5 Millionen Loveparade-Fans.

Bis zum Jahr 2001 galt die Loveparade als Demonstration. Das Bundesverfassungsgericht urteilte am 12.7.2001, dass die „Love Parade“ eine reine Musikveranstaltung sei und weise nicht den für eine Versammlung maßgeblichen verbindenden Zweck der Meinungsbildung und -äußerung auf. Damit war die Loveparade seit 2001 offiziell eine kommerzielle Veranstaltung. Vor drei Jahren zog die Parade von Berlin ins Ruhrgebiet und feierte ihre Premiere 2007 in Essen und 2008 in Dortmund. Im Jahr 2009 sollte die Loveparade in Bochum stattfinden, wurde jedoch abgesagt, da die Stadt Bochum den Besucherandrang nicht bewältigen konnte.