Casino Undercover – Gambling nach wie vor eine ideale Filmvorlage

Casino Undercover – Gambling nach wie vor eine ideale Filmvorlage

Angesichts der harschen Kritik, die die Gangsterkomödie „Casino Undercover“ geerntet hat, geziemt es sich nicht, ein Loblied auf die Verfilmung von Casino-Action anzustimmen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings, dass in der Mischung aus Glitzer, Glamour, Abenteuer, Nervenkitzel und Glücksspiel durchaus Potenzial steckt. Speziell im James-Bond-Streifen „Casino Royale“ mit Daniel Craig in der Hauptrolle hat noch jeder Pokerspieler der Welt das unstreitige Gefühl, selbst am Tisch zu sitzen.

Begegnung mit einem uramerikanischen Problem

In den USA war es bereits am 30. Juni 2017 so weit, in Deutschland feierte „Casino Undercover“ dagegen erst am 6. Juli 2017 Premiere. 2007 waren Will Ferrell und Amy Poehler im Streifen „Die Eisprinzen“ noch erbitterte Feinde, nun ziehen die beiden Vollblutkomödianten in „Casino Undercover“ am gleichen Strang. In der Rolle der Eheleute Scott und Kate Johansen ist es an ihnen, ihrer Tochter Alex, gespielt von Ryan Simpkins, den Besuch der renommierten Bucknell University zu ermöglichen. Ein Stadtrat durchkreuzt ihren Plan. Er beugt sich dem Willen der Gemeinde und investiert das fürs Stipendium vorgesehene Geld in ein Swimmingpool. Da kommt Nachbar Frank gerade recht. Der steckt in einer Scheidungskrise, ist knapp bei Kasse und von daher besessen von der Idee, zusammen mit den Johansens im eigenen Haus ein illegales Casino zu eröffnen. Der Not gehorchend willigen die Eheleute in den teuflischen Plan ein.

So kommt es, dass nur unwesentlich später die halbe Stadt bei den drei Geschäftspartnern aus und ein geht, sich am Roulette ebenso vergnügt wie am obligatorischen Strip und den Hausfrauenkämpfen im Fight Club. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Erfolg Neider wie den Stadtrat auf den Plan ruft, Falschspieler anlockt und Gangster auf den Plan ruft, die nicht im Mindesten daran denken, Macht und Einfluss mit ein paar Dahergelaufenen zu teilen.

Einhellig sind sich die Kritiker zur Behauptung, dass es der Komödie an Biss und Verrücktheit fehlt. Vielmehr wird sie als Mittelmaß mit spärlichem Inhalt abgetan. Namentlich von Regisseur Andrew Jay Cohen ist man als Drehbuchautor Besseres gewohnt. So hat er mit Partner Brendan O’Brien in den beiden „Bad Neighbors”-Filmen durchaus sein Können unter Beweis gestellt. Will Ferrell und Amy Poehler glänzen hingegen in der Herausforderung, eine leicht überspitzte Normalität zur Schau zu stellen. Wenn sie etwa gleich einem Sandwich ihre Tochter Alex in die Arme schließen, zeugt das von familiärer Intimität und Zusammengehörigkeit, ist aber freilich auch recht schräg. Bliebe es bei dieser unterschwelligen Merkwürdigkeit, wäre dem Film durchaus ein roter Faden abzugewinnen. Durch gekünstelte Gewaltszenen, die nicht mehr als ein schwacher Abklatsch von Martin Scorseses „Casino“ sind, geht die komödiantische Treffsicherheit jedoch nach und nach flöten. Oder um es deutlicher zu formulieren: Ein auf Familienidylle angelegter Film ist mit der Verhinderung einer Geiselnahme durch Axtgewalt schwerlich vereinbar.

Poker aus gutem Grund bei aller Welt in hohen Gnaden

Ungeachtet aller Kritik an „Casino Undercover“ hat das Glücksspiel in der Filmwelt seit jeher Konjunktur. Nicht erst seit dem Pokerboom 2003 bietet sich Poker als Stoff für Hollywood-Produktionen an. Auch Roulette und Blackjack haben alles, was es für eine kurzweilige Leinwandproduktion braucht: coole Charaktere, Spannung und in der Regel ein Happy End. Aus Pokerfilmen lässt sich darüber hinaus eine überaus wichtige Erfahrung fürs Leben ableiten. Wer wie Bond in „Casino Royale“ zu viel von seinem Innenleben preisgibt und den Bluff durch eine unbewusste emotionale Reaktion wie eine hochgezogene Augenbraue zu erkennen gibt, hat das Nachsehen.

Neben dem Pokerface ist die richtige Wahl der Kleidung für den Spielerfolg verantwortlich. Der Schein trügt jedoch. Weit gefehlt zu glauben, bei einem Gegner mit Mütze, Sweatshirt und Jogginghose leichtes Spiel zu haben. Profis arbeiten vielmehr mit Griffen und Kniffen, vermitteln den Eindruck von Unsicherheit, während sie in der Tat ihrem Kontrahenten nur ein X für ein U vormachen. Oder um mit Ben Wilinofsky, dem früheren Main Event Champion der European Poker Tour, zu sprechen: „Ich versuche, reich und dumm auszusehen.“ Dass es dabei kein Leichtes ist, die Balance zwischen heldenhafter Standhaftigkeit und sturer Trotteligkeit zu finden, stellt niemand in Abrede. Ohne Empathie, sprich die Fähigkeit, sich in den Gegenspieler hineinzuversetzen, ist es um die Chancen auf einen Turniersieg denkbar schlecht bestellt. In der Tat ähneln sich die Karrieren aller Topspieler frappant. Beinahe durch die Bank haben sie Mathematik, Informatik oder Statistik studiert. Chris Ferguson, Sieger der Poker-Weltmeisterschaft 2000, und Robert Varkonyi, der die WSOP 2002 gewann, sind nur zwei Beispiele von vielen. Auch wenn die Regeln jeder nach fünf Minuten versteht, ist ein gutes Verständnis des Regelwerks und eine ausgefeilte Strategie von besonderem Vorteil. So wird die Verbesserung des Spiels angesichts der 2.598.960 Möglichkeiten von Pokerblättern mit fünf Karten rasch zur Lebensaufgabe und Poker füllt nachweislich die Lücke zwischen Skat und Scrabble.

Die besten Pokerfilme aller Zeiten

Bestenlisten sind immer ein heißes Eisen. Seltsamerweise sind sich Fans allerdings einig, dass „Cincinnati Kid“ aus dem Jahr 1965 das Nonplusultra der Pokerfilme ist. Das New Orleans der 30er Jahre bildet den perfekten Hintergrund für eine spannungsgeladene Story rund um einen ehrgeizigen Pokerspieler, der sich und der Welt beweisen will, dass er der Größte ist. In der Hauptrolle fungiert der unvergessliche Steve McQueen.

Nur ein Jahr später war es in der Komödie „Höchster Einsatz in Laredo“ an einem einfachen Farmer, seiner Familie ein besseres Leben im westlichen Kalifornien zu ermöglichen. Ein Pokerturnier wird zum Schlüsselerlebnis des von Henry Fonda verkörperten Protagonisten. Auf Platz 3 wird „Stuey aka High Roller: The Stu Ungar Story“ aus dem Jahr 2003 gehandelt. Dabei war Stu Ungar eine Pokerlegende. Er zählt zu jenen beiden Personen, die die World Series of Poker stolze drei Mal gewonnen haben. Kein Wunder also, dass sein Leben verfilmt wurde. Der aus „The Sopranos“ bekannte Michael Imperioli setzt dabei die Talente des Glücksspielers, aber auch seine Schattenseiten gekonnt in Szene.