Das Ende des Paten: Letzter New Yorker Mafia-Boss verknackt

Wer denkt es gäbe keine Mafia à la „Der Pate“ mehr in Amerika, der hat Recht – allerdings erst seit kurzem. Denn am vergangenen Freitag wurde der 61-jährige Joseph Massino, der letzte Mafia-Boss von New York, nach einem zehn Wochen langen Prozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der so genannte „Last Don“ („Letzter Pate“) war der Boss der Bonannos, der mächtigsten Gangster-Familie von ganz New York, und übte ein viertel Jahrhundert lang seine blutige Schreckensherrschaft aus.

Unter anderem wurde Massino deshalb verurteilt, weil er sieben Morde an konkurrierenden Mafia-Bossen befohlen hatte; eine Berufung gegen das Urteil schloss das Gericht aus, das Urteil ist damit rechtsgültig. Dennoch zeigte Massino keinerlei Gefühlsregung bei der Urteilsverkündung. Seine Frau hingegen, die an jeder Verhandlung teilnahm, stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch und musste von ihrer Tochter Adeline gestützt werden.

Seit 1978 führte die US-Regierung einen Krieg gegen die „Cosa Nostra“ (Bezeichnung für die sizilianische Mafia in den USA), in dessen Zuge sich der FBI-Agent Joseph Pistone unter dem Decknamen Donnie Brasco in die Gangster-Familie einschleuste. Erst nach fünf Jahren, als dem FBI der Machtkampf innerhalb der Mafia zu blutig wurde, zog man ihn ab und konnte dank seiner Zeugenaussagen und Tonbänder dutzende Mafiosi aus dem Verkehr ziehen. Seine Memoiren wurden 1996 von Hollywood unter dem Titel „Donnie Brasco“ mit Johnny Depp in der Rolle des FBI-Agenten verfilmt. Auch Pistone selbst sagte gegen seinen ehemaligen Paten aus.

Wichtigster Kronzeuge hingegen war Frank Lino, ein langjähriger Freund von Massino, der bereits wegen sechsfachen Mordes nur noch gesiebte Luft atmen durfte. Erst durch seine Zeugenaussage wurde der Prozess gegen den Mafia-Boss möglich. Lino war die erste „Ratte“ bzw. der erste „Kanarienvogel“ der Bonannos, also jemand, der gegen seinesgleichen aussagt um sich selbst zu retten. Aber auch Verwandte wie sein Schwager und Kindheitsfreund Sal Vitale sagten gegen ihn aus. Massino, auf Grund seiner Leibesfülle (180 Kilogramm) auch „Big Joey“ genannt, war bereits 2002 festgenommen worden, die Beweise reichten ohne diese Zeugenaussagen allerdings nicht für eine Verurteilung aus.

Doch nun ist auch der letzte Boss der fünf großen New Yorker Mafia-Familien aus dem Verkehr gezogen. Alle seine Konkurrenten sind bereits tot oder eingesperrt, ihre Nachfolger werden weder von den Gesetzeshütern noch von den Gesetzesbrechern wirklich ernst genommen. „Massino ist der letzte der wirklich großen Gangster von New York“, so der legendäre FBI-Agent Joseph Pistone. „Damit gehört die amerikanische Mafia, wie wir sie einst kannten, endgültig der Vergangenheit an.“ Hoffen wir, dass es auch so bleibt.