Russland: Im Lenin-Museum soll es spuken

Mehr als 80 Jahre nach dem Tod des sowjetischen Staatsgründers Lenin spukt er noch immer in vielen russischen Köpfen herum. Doch nicht nur dort soll der kommunistische Revoluter herumgeistern. Im Lenin-Museum in der russischen Stadt Samara an der Wolga soll der Geist von Lenin hin und wieder mal vorbeischauen. Das zumindest versichert das dortige Personal. „Einmal fanden wir morgens ein benutztes Bett in Lenins Zimmer vor, obwohl nachts die Tür verschlossen war“, so die Direktorin des Museums Maja Obraszowa. Auch seien nachts Schritte zu hören und ab und an läge der Geruch von frisch gebackenem Apfelkuchen in der Luft, einer der Leibspeisen von Lenin. Angst hat das Personal jedoch keine: „In jedem alten Haus sollte es Gespenster geben. Wir sind mit unseren befreundet und fürchten sie nicht“, so die Direktorin.

Lenin, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Wladímir Iljítsch Uljánow hieß, hätte aber wohl eher Grund in Moskau zu spuken. Immerhin liegt sein einbalsamierter Körper dort seit seinem Todesjahr 1924 in einem eigens für ihn errichteten Mausoleum auf dem Roten Platz. In Samara wohnte er lediglich von 1887 bis 1891, als er dort Jura studierte. Es wäre also nicht besonders verwunderlich, wenn sich das Museumspersonal die Geschichte nur ausgedacht hätte, um Besucher anzulocken. Immerhin dürfte ein angebliches Geisterhaus wesentlich attraktiver für Touristen sein als eine Wohnung in der Lenin zufällig ein paar Jahre lang wohnte.

Trotz Lenins ausdrücklichem Wunsch keinen Personenkult um ihn zu machen ließ Stalin ihn nach einer pompösen Trauerfeier einbalsamiert aufbahren. Während es zu Beginn vor allem treue Kommunisten waren, die für die Leichenschau Schlange standen, sind es heute fast ausschließlich Touristen. Vielen Russen ist das ehemalige Heiligtum mittlerweile sogar peinlich. „Wir sind doch keine Ägypter“, meinte die Gouverneurin von St. Petersburg Walentina Matwijenko jüngst. Obwohl einer Umfrage zufolge mehr als die Hälfte aller Russen für eine Bestattung des Leichnams sind, hat Präsident Wladimir Putin wie auch sein Vorgänger Boris Jelzin dieser bisher nicht zugestimmt, um nicht den Zorn der kommunistischen Bevölkerung auf sich zu ziehen. Diese haben vor kurzem sogar eine Unterschriftenaktion gestartet, um die Bestattung des Leichnams zu verhindern – immerhin hat Putin vor kurzem bereits den 7. November, also den Jahrestag der Oktoberrevolution von 1917 unter der Führung Lenins, als gesetzlichen Feiertag abgeschafft.