Deutsche haben 16,3 Arztbesuche im Jahr

Beschweren sich die Deutschen doch über zu wenig Zeit und wenig Geld, geben einige im Jahr doch das Maximum an Praxisgebühr aus. Im Jahr schaffte es jeder Deutsche durchschnittlich auf 16,3 Arztbesuche. Damit liegt Deutschland noch vor Japan, Tschechien, Slowakei und Ungarn weltweit auf Platz 1.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) zur ambulanten ärztlichen Versorgung. Doch dabei sind die Deutschen gar nicht so wehleidig oder häufig krank, meinen Experten. Der Grund für diese häufigen Arztbesuche liege in der falschen Struktur bei der Bezahlung der Ärzte. Ärzte müssten mehr Leistung erbringen, um ihr Einkommen zu sichern. Gesprächs- und Beratungszeiten würden falsch honoriert, kritisierte Friedrich Wilhelm Schwartz, Professor am Institut für Sozialmedizin in Hannover. Dadurch würden einfach mehr Rezepte verschrieben, statt sich länger mit dem Patienten zu beschäftigen. Die Folge sei der „Hamsterradeffekt“ – Die Patienten kämen immer wieder. „Wir brauchen ein System, in dem der Arzt die Freiheit hat, mit dem Patienten eine halbe Stunde zu reden, ohne sich ins ökonomische Abseits zu begeben“, forderte Schwartz.

Ungleiche Verteilung: Einige gehen gar nicht zum Arzt
Trotz des hohen Durchschnitts von 16,3 Arztbesuchen pro Jahr, ist die Verteilung ungleich: Auf 50 Prozent der Bundesbürger fielen nur rund 11 Prozent der Behandlungskosten, da sie im Jahr 2004 kaum einen Arzt beanspruchten. Neun Prozent gingen sogar gar nicht zum Arzt. Mit 43 Prozent der Behandlungskosten und 36 Prozent der Arztbesuche bilden meist ältere Menschen den Großteil.

Die GEK wertete Daten von rund 1,5 Millionen Versicherten aus. Zahnärzte waren von der Untersuchung ausgenommen, da sich diese weigerten, ihre Daten herauszugeben. Hier müsse die Politik mehr Druck auf die Zahnarztbranche ausüben, kritisierte GEK-Vorsitzender Dieter Hebel.