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Das Rätselraten um den stummen Pianisten geht weiter

Von Kate Lé

Seit Wochen rätseln die englischen Behörden um die Identität des Mannes, den die Presse auf Grund seines musischen Talents den „Piano Man“ nennt. Niemand weiß, woher der Mann kommt, der noch kein Wort gesprochen hat aber stundenlang perfekt Klavier spielt. Anfang April wurde der völlig verängstigte und durchnässte etwa 20 bis 30-jährige Mann auf einer Straße nahe dem Strand der südenglischen Insel Sheppey (in der Grafschaft Kent) aufgefunden. Da kein Wort über seine Lippen kam, gab man ihm im Krankenhaus Papier und Bleistift – darauf zeichnete er neben der schwedischen Nationalflagge auch das genaue Abbild eines Flügels. An einen solchen gesetzt spielte er vier Stunden lang klassische Musik, vor allem Werke von Tschaikowski. „Solche Perfektion haben wir noch nie zuvor gehört“, so der überraschte Krankenhauspfarrer.

Doch einen Hinweis auf seine Identität konnte der traumatisierte Pianist nicht geben. Es ist noch nicht einmal klar, aus welchem Land der Mann stammte – aus seinem Abendanzug waren sämtliche Etiketten herausgetrennt worden, was beispielsweise bei illegalen Einwanderern zur Verschleierung ihrer Herkunft durchaus üblich ist. Psychologen sehen dies aber neben seiner musikalischen Begabung und seiner Nervosität als Anzeichen einer autistischen Erkrankung. Die Medien hingegen spekulieren, dass der Mann bei einem Unwetter über Bord eines Passagierschiffes ging und bei diesem Schock sein Gedächtnis verlor – doch diese Vermutung wird bisher von keinem der bei den Behörden eingegangenen Hinweise bestätigt.

Schon mehr als 500 Hinweise sind bei der erst am Wochenende eingerichteten Telefonhotline der britischen Polizei eingegangen, darunter rund 300 mögliche Namen, die nun von Sozialarbeitern überprüft werden. Dabei ist die Sache längst zu einem internationalen Mysterium geworden – aus ganz Europa und selbst aus Australien und Kanada kommen Hinweise auf die mögliche Identität des Piano-Mannes. Auch Hollywood ist bereits fasziniert von der Geschichte – Bard Dorros von „Smart Entertainment“ sieht damit die Frage nach der „Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes“ aufgeworfen. Der mysteriöse „Piano Man“ könnte also schon bald im Kino zu sehen sein.