Der Sand ist zum Verschwinden verurteilt

Der Sand ist zum Verschwinden verurteilt

Sand ist nach Wasser die am zweithäufigsten verbrauchte natürliche Ressource der Welt. Sand entsteht zwar durchgehend durch natürliche Erosion, das dauert aber bis zu tausende Jahre. Eine Zeitspanne, die den Bedürfnissen an erneuerbare Energien nicht wirklich entspricht. Die Sandvorkommen sind begrenzt – der Sand wird knapp.

Strände werden 2100 Geschichte sein

Die globale Nachfrage nach natürlichen Ressourcen übersteigt schon seit langem die Fähigkeit der Erde, diese Ressourcen auf nachwachsende Weise zur Verfügung zu stellen. Die Menschheit lebt gerade so, als hätten sie pro Jahr mehr als eineinhalb Erden, von deren Ressourcen sie leben können. Erze, Kohle, Erdöl als nichtregenerierbare natürliche und Boden oder Wasser als regenerierbare natürliche Ressourcen.

Sand bildet sich derart langsam nach, dass von einem fixen Umfang an Vorräten ausgegangen werden muss. Sand ist aber auch auf andere Weise noch ein Sonderfall: Er scheint unendlich, ist er aber nicht. Laut Schätzungen gibt es 120 Millionen Milliarden Tonnen Sand. Davon ist jedoch sind davon große Teile entweder nicht zugänglich oder Wüstensand. Und Wüstensand ist für die Bauindustrie – dem größten Sandverbraucher – ungeeignet.

Somit sind es Meeressand und Strände, die wir für selbstverständlich halten und die mit enormer Geschwindigkeit abgebaut werden. Oft auch illegal. Weltweit sind 75 bis 90 Prozent der Strände auf dem Rückzug. Natürlich kann man Erosion und steigende Wasserstände durch den Klimawandel dafür verantwortlich machen, aber der Hauptgrundwird oft vergessen: Raubbau durch den Bausektor.

Die Abhängigkeit des Bausektors

Zwei Drittel des Bauwesens ist Beton, welcher wiederum zu zwei Dritteln aus Sand besteht. 95% des in Deutschland abgebautes Sandes gehen ins Bauwesen. Für ein durchschnittliches Familienhaus benötigt man 200 Tonnen Sand, für ein Krankenhaus 3.000 und einem Kilometer Autobahn sogar 30.000 Tonnen – unvorstellbare Summen.

Die Nachfrage nach Sand war noch nie so groß: 40 Milliarden Tonnen wurden 2014 weltweit verbraucht. China ist weltweit der größte Sandverbraucher. In den letzten zwei Jahren hat das Land so viel Beton verwendet wie die USA im letzten Jahrhundert. Diese Zahl kann bzw. muss natürlich qualifiziert werden: Die USA haben ihren städtischen Wandel früher vollzogen und benötigen daher inzwischen weniger neue Infrastruktur und Straßen. Doch allein China verbraucht 60% der weltweiten Sandproduktion. Die größte Sandabbaustätte ist hier Poyang Lake mit einer täglichen Sandabbaumenge von 980.000 Tonnen – mehr als die drei größten US-Lagerstätten zusammen!

Recycelter Beton: eine sinnvolle Alternative?

Es wird bereits nach Alternativen für Sand zur Herstellung von Beton geforscht. Eine Alternative zu herkömmlichen Beton ist zudem Recycling-Beton. Beton aus abgerissenen Gebäuden. In Deutschland gibt es 50 Millionen Bauschutt – 80% davon könnten recycelt werden. Die Wiederverwertung von Bauschutt ist ressourcenschonend und umweltfreundlich. Aber solange Sand so günstig ist, wird das nicht flächendeckend passieren. In Deutschland ist der Einsatz von Recycling-Beton aber schon mehr und mehr auf dem Vormarsch. Einige Bauprojekte in Deutschland demonstrieren bereits den Nutzen von RC-Beton: so auch das Forschungsgebäude der Humboldt Universität in Berlin.

Ähnliche Artikel