Die Massage als Sport-Alternative?

Die Massage als Sport-Alternative?

Massagen erfreuen sich großer Beliebtheit. In 2016 entfiel beispielsweise ein Viertel aller von der AOK gewährten Physiotherapieleistungen auf Massagen. Immer mehr Menschen scheinen bei der Behandlung von Rückenschmerzen und allgemeiner Steifheit auf diese Therapietechnik zu setzen, ja, man mag den Eindruck bekommen, dass viele den Sport durch die Massage zu ersetzen gedenken. Aber geht das überhaupt? Was sind die Möglichkeiten und Grenzen einer Massage-Behandlung?

Eines der ältesten Heilmittel der Menschheit

Massagetechniken werden vermutlich bereits eingesetzt, seit es Menschen auf diesem Planeten gibt. Dabei scheint es gar etwas in unseren Genen zu geben, dass uns etwa bei Prellungen oder Schmerzen geradezu instinktiv bestimmte Körperstellen direkt reiben und drücken lässt; das machen wir wie automatisch. Bis jemand schließlich irgendwann auf die Idee kommen würde, die Techniken des Drückens, Ziehens und Reibens zu systematisieren und auf die Behandlung konkreter Symptome hin abzustimmen, war vor diesem Hintergrund lediglich eine Frage der Zeit.

Wer genau wann auf diese Idee kam, lässt sich heute aufgrund eines Mangels an empirischen Befunden kaum gesichert sagen. Es scheint jedenfalls, als hätte die gezielte Verwendung von Massagen ihren Ursprung irgendwo in Ostafrika und Asien, irgendwann um ca. 2600 v.Chr. herum. Im 15. und 17. Jahrhundert sollen auch indische Mönche die Massage zur Behandlung von Ringkämpfern genutzt haben. Nach Europa soll die Massage schließlich über den griechischen Arzt Hippokrates gelangt sein, der ca. zwischen 460 und 370 v.Chr. gelebt hat. So wurden etwa im antiken Rom Gladiatoren nach ihren Kämpfen mit Massage-Handgriffen behandelt, um sie für anstehende Kämpfe wieder fit zu machen – ein Vorläufer der Sportphysiotherapie quasi. Doch obwohl Hippokrates bereits erste Abhandlungen zu Massagetechniken und -wirkungen bei bestimmten Krankheiten angefertigt hat, ließ ihr Durchbruch noch lange Zeit auf sich warten.

Erst und vor allem durch den Arzt Paracelsus konnte sie in der europäischen Medizin wirklich Fuß fassen. Zur moderneren Form weiterentwickelt wurden Massagetechniken dann vom Schweden Pehr Henrik Ling, der im 19. Jahrhundert die sogenannte »Schwedische Massage«, die bis heute als die »klassische Massage« gilt, etablierte. Heute besteht eine Vielzahl an Massageformen, von der klassischen Massage über die Ganz- und Teilkörpermassage bis hin zur Sport- oder der Funktionsmassage. Zudem gibt es eine ganze Reihe sogenannter »esoterischer Massagen« wie die Ayurveda-Massage, die Akupressur oder die Akupunktur. Die heutige Massage ist in der Regel ein fester Bestandteil der allgemeinen Physiotherapie. Aber auch im privaten Bereich hat sie sich mittlerweile fest etabliert: So packen heute Menschen etwa Massagegeräte für einen schönen Urlaub mit in den Reisekoffer, die in den verschiedensten Ausführungen erworben werden können. Manche verwenden diese Geräte bzw. nutzen die Massage grundsätzlich gar als Ersatz für sportliche Betätigung. Aber geht dies überhaupt?

Ersetzt die Massage sportliche Bewegung?

Die Antwort ist relativ klar: Eine sportliche Betätigung kann die Massage natürlich nicht einfach so ersetzen. Denn sie ist eine andere, ergänzende Form der Körperbehandlung. Eine Verbesserung der Ausdauerleistung oder Gewichtsverluste wird man mit ihr wohl nur schwer erreichen können. Und auch Kraftzuwächse wird sie einem nicht bescheren.

Gleichwohl kann sie bei bestimmten Beschwerden, etwa bei Rückenschmerzen, durchaus sinnvoller sein als etwaige Sportmaßnahmen. Allerdings erweist sich die Studienlage hier noch als ambivalent: Zwar stellen Forscher eine kurzzeitige Schmerzlinderung im direkten Anschluss an Massagen fest, registrieren aber auch, dass dieser Effekt recht schnell wieder »verpufft«. Zudem wird bemängelt, dass Massagebehandlungen die Passivität der Patienten fördern würden, was wiederum die Symptome weiter verschlechtere. Hier braucht es folglich schlichtweg noch mehr Forschung.

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