Nur „Merci“ und rote Rosen? Darum feiern wir Valentinstag

Gerne wird behauptet, der Valentinstag sei eine Erfindung der Blumen- und Pralinen-Industrie. Das stimmt so natürlich nicht. Doch warum wird am 14. Februar, weltweit auch als Valentinstag bekannt, der Tag der Liebenden gefeiert?

Genaue historische Erklärungen gibt es nicht, nur einige Spekulationen wie es zu dem Brauch kam, bei dem sich Verliebte Blumen schenken und Liebesbriefe schreiben. Die wohl bekannteste Vermutung ist, dass der heilige Valentin im 4. Jahrhundert Verliebte gegen den Willen der staatlichen Obrigkeiten getraut und ihnen Blumen geschenkt haben soll und deswegen am 14. Februar hingerichtet wurde. Doch dies scheint eine eher obskure volkstümliche Erklärung zu sein.

Historisch gesichert ist lediglich die Existenz eines heiligen Valentin, der einmal als Priester und Märtyrer in Rom, ein anderes Mal als Bischof von Terni verehrt wurde. Sein Gedenktag war bis zur Reform des römischen Generalkalenders 1970 und der Reform des Regionalkalenders für das deutsche Sprachgebiet 1972 am 14. Februar. Dass es nach den Reformen heute diesen Heiligen im offiziellen kirchlichen Kalender nicht mehr gibt, hat vor allem den Grund, dass die Quellenlage für einen Heiligengedenktag für den 14. Februar alles andere als sicher ist. Der historische Beweis für die Existenz des heiligen Valentin ist zu kompliziert, es gibt zahlreiche Theorien zu seiner Person. Am wahrscheinlichsten ist die Theorie, dass Valentin der Bischof von Terni war, dessen kultische Verehrung seit dem 4. Jahrhundert in Rom eingeführt war. Der heilige Valentin galt im Mittelalter als Schutzpatron gegen die Fallsucht, die Epilepsie, auch als „Valentins-Krnakheit“ oder „Valentins-Plage“ bekannt. Diese versuchte man mit Reliquien zu heilen, z.B. sollte Valentinswasser getrunken werden, oder die Heiligenstatue mit Ästen verührt werden, die dann gekocht und deren Sud getrunken wurden.

Vor allem galt damals jedoch der 14. Februar als Unglückstag, denn an ihm sollte der Verräter Jesu, Judas Ischariot, geboren worden sein. Alles, was an diesem Tag geboren wurde, sollte kein Glück haben und früh sterben.

Fern von diesen düsteren Auslegungen nutze man in England, Nordfrankreich und Belgien dem 14. Februar um Ehen zu stiften: Jeder „Valentin“ konnte sich dann seine „Valentine“ wählen. Die Entscheidung fiel durch ein Los, oder durch eine erste Begegnung am Morgen, nach dem Motto, wer zuerst kommt, mahlt zuerst… Zum Ritual gehörten auch kleine Geschenke und Gedichte, die sich die Frischverlobten schenkten. Aus diesen Traditionen heraus entstanden z.B. Hochzeitsorakel, an die manche bis heute glauben: So sagt man, dass ein Mädchen den Mann heiraten wird, den es am Valentinstag als erstes sieht. Ausgehend von England ist das Valentinsbrauchtum in die USA gekommen. Die Amerikaner ließen den eigentlich hübschen Brauch des „Tag der Liebenden“ zu einem „Tag der Freundschaft/heimliche Liebe/Verehrung/Familie“ mutieren, und erweiterten somit den Markt der Absatzmöglichkeiten. Inzwischen werden rund eine Milliarde Grußkarten, so genannte „Valentine Greetings“ versandt – meistens anonym, um sich der heimlichen Liebe nicht zu offenbaren.

In Deutschland gibt es diesen ausgeprägten Brauch erst nach dem zweiten Weltkrieg. Inzwischen nehmen auch hier die Konsumangebote beängstigende Ausmaße an, schon Wochen vorher bekommt man von „Douglas“, „Merci“, „Fleurop“ eingebläut, an seine Liebste zu denken. Man solle es ja nicht wagen, ohne Parfum, Pralinen, Blumen oder sonstige Aufmerksamkeiten am 14. Februar nach Hause zu kommen! Gemach, gemach, liebe Herren der Schöpfung. Fakt ist, Frauen freuen sich über Aufmerksamkeiten. Fakt ist auch, dass diese nicht unbedingt materielle sein müssen. Wie wär’s also mal mit freiwillig Spülmaschine ausräumen oder Müll rausbringen? Darüber hätte sich bestimmt auch der heilige Valentin gefreut…